Von den Flugkünstlern zur Perfektion in Form und Farbe
Ein Züchterporträt über Leidenschaft, Tradition und den Weg zum Bundessieg
Man sagt, die Liebe zum Geflügel wird einem in die Wiege gelegt. In meinem Fall war es der Hof meines Großvaters, auf dem Gänse, Enten und Hühner das tägliche Bild prägten. Doch während das Nutzgeflügel den Alltag bestimmte, gehörte meine frühe Faszination den Schlägen meines Vaters. Der Blick in den Himmel, wenn die Weitstrecken-Brieftauben heimkehrten, oder das stolze Posieren der Kröpfer auf den Ausstellungen – dort wurde mein „Züchterauge“ geschult.
Die Lehrjahre: Vom Fliegen zum Formen
Meine eigene Reise in der Rassegeflügelzucht begann als Teenager. Es war eine Zeit des Ausprobierens und Lernens. Über die eleganten Thüringer Schnippen und die urigen Coburger Lerchen fand ich schließlich den Weg zu den Hühnern. Mit den massigen Zwerg-Brahma sammelte ich erste Erfahrungen in der Hühnerzucht, doch die wahre Begeisterung fand ich später in einer Rasse, die Eleganz und Kompaktheit perfekt vereint: der Zwerg-Wyandotte.
Die Königsdisziplin: Gelb und Gelb-Schwarzcolumbia
Heute ist mein Hof geprägt von der Sonne im Gefieder. Ich habe mich den Zwerg-Wyandotten in den Farbschlägen gelb und gelb-schwarzcolumbia verschrieben.
Wer selbst züchtet, weiß: Gelb verzeiht nichts. Es ist ein ständiges Streben nach dem perfekten, satten Goldton, ohne dabei die Form aus den Augen zu verlieren. Die Schwarzcolumbia-Zeichnung ist dabei die Kür – das Spiel mit dem Kontrast, die scharf abgegrenzte Halszeichnung und der tiefe Grünglanz im Schwarz, gepaart mit einem reinen Gelbton des Mantels. Es ist eine Herausforderung, die Geduld und Selektionsglück erfordert.
Der Lohn der Mühe: Hannover und darüber hinaus
Die Krönung meiner bisherigen züchterischen Arbeit durfte ich auf der Deutschen Junggeflügelschau in Hannover erleben. Dass meine Zwerg-Wyandotten in gelb-schwarzcolumbia dort sowohl den Bundessiegertitel als auch mehrere Landesmeistertitel erringen konnten, ist mehr als nur eine Urkunde an der Wand. Es ist die Bestätigung für unzählige Stunden im Stall, die sorgfältige Auswahl der Zuchtstämme und den Respekt vor dem Tier.
Für mich ist die Rassegeflügelzucht kein reines Hobby – es ist die Bewahrung von Kulturgut und das tägliche Streben nach dem Idealbild der Natur.